Gestern verkündigte Blizzard eine Neuigkeit, die die Gaming-Welt erschütterte. Wie ein Tsunami breitete sich die Meldung aus und entzündete sogar die SWTOR Foren. Natürlich ist es auch in der Blogosphäre ein Thema und spaltet die Community wie so oft in unterschiedliche Lager.
Doch was genau ist der Aufreger? Liest man die Meldung genau, dann wird recht schnell deutlich, dass der berüchtigte Item-Shop neben der Möglichkeit in RL-Cash, also Dollares, zu bezahlen, gleichwohl auch die Möglichkeit bietet, Items mit In-Game-Gold zu kaufen und dafür zu verkaufen. Die viel wichtigere Information, die erst im FAQ verborgen ist, und daher wohl von vielen Doomsayern übersehen wurde, ist jedoch, dass es ein reines Peer-to-Peer-Angebot sein wird. Mit anderen Worten: Spieler verkaufen an und kaufen von anderen Spieler. Blizzard beschränkt sich bei der Transaktion lediglich darauf, eine Gebühr zu erheben und diese einzuziehen.
Ich selbst stehe Cash Shops in Spielen gespalten gegenüber. Ich sehe Microtransactions und F2P mit Items Shops nicht als eine Gefahr, sondern durchaus als ein berechtigtes und zuweilen auch profitables Geschäftsmodell. Ohne den Einstiegspreis für den Client und eine monatliche Gebühr fallen Barrieren weg, die viele Spieler davon abhalten, ein Spiel auszuprobieren und — gerade dem wird eine Trial nie gerecht werden — auf der Platte zu belassen, um es nebenbei, immer wieder mal zu spielen. Microtransactions können, wenn sie richtig gemacht werden wie zu Beispiel in World of Tanks oder LOTRO, durchaus eine ähnlich hohe ARPPU (Average Revenue Per Paying User — Durchschnittlicher Erlös pro zahlenden Kunden) entwickeln wie das klassische Subscription-Modell.
Auch für mich unerträglich wird das Freemium-Modell erst durch das sogenannte “Pay to win”, wenn der Spieler also geradewegs genötigt wird, Geld zu bezahlen, da er ansonsten stark benachteiligt wird, oder wenn beim kostenlosen Spiel der Spaß völlig in einem Sumpf aus Grinds untergeht. Bei mir hinterläßt es einen durchaus bitteren Nachgeschmack, wenn ein anderer einen besseren Gegenstand aus dem Item Store kaufen kann als ich durch das tatsächliche Spielen bekommen könnte. Dazu gehören wohlgemerkt nicht reine Vanity-Items, also solche die besonders flashy aussehen, sondern gerade solche, deren Statistiken sie anderen, regularen Items überlegen machen.
Doch zurück zu Diablo 3. Wie bereits oben erwähnt, laufen sämtliche Transaktionen nur zwischen Spielern ab. Wenn man also in dem Auction House ein Über-Schwert für 10$ gelistet sieht, dann verkauft das nicht Blizzard, sondern ein anderer Spieler. Es greift also das uns allen wohl bekannte Prinzip von Angebot und Nachfrage, was per se schon ein eklatanter Unterschied zu den klassischen Item Shops ist, wo der Betreiber also z. B. SOE oder Turbine den Preis diktieren. Zudem sind alle Gegenstände, die im Diablo 3 AH verkauft werden, durch das Spielen des Spiels selbst generiert worden, also indem Timmy in die Welt hinauszieht und Diablo’s Schergen niedermetzelt. Auch das ist ein grundlegender Unterschied zu den verhassten Freemium-Shops.
Und schließlich, eine kurze Suche bei eBay offenbart, dass dort immer noch — mehr als 11 Jahre nach Release — vereinzelt Items verkauft werden. Doch das ist noch nicht alles: was viele entweder nicht wissen oder zuweilen in der Aufregung über Mircotransactions vergessen, es existieren reichlich Webseiten, die sich einzig und allein damit beschäftigen, eine Plattform für eben solche RMTs zu bieten. In diesem Licht scheint es durchaus gerechtfertigt zu sein, dass Blizzard solche RMTs lieber selbst kontrolliert, anstatt sie anderen zu überlassen. Und seien wir mal ehrlich, ist es Blizzard tatsächlich vorzuwerfen, dass sie daran etwas verdienen wollen?
Was man auch nicht vergessen sollte, Diablo 3 ist kein MMORPG. Wenn man nicht an Arena-Kämpfen teilnimmt, wird man in keinster Weise damit konfrontiert werden, dass jemand sich das Flammende Schwert der Höllenpforte aus dem AH erworben hat anstatt es Diablo’s kalten, toten Händen zu entreißen. Und doch sehe ich allerhand Posts, in denen Leute entrüstet konstatieren, dass sie zwar nur Offline spielen, aber nun das Spiel boykottieren werden.
Ich bin mal darauf gespannt, wie viele Freudenposts wir sehen werden, wenn erstmal jemand das obengenante Schwert für 30$ verkauft und dadurch gleich zwei Monate WoW bezahlt hat. Oder die Berichte von Spielern, die sich eine goldene Nase damit verdienen, Items und Gold für Dollars zu verscherbeln.
Ich werde mir Diablo 3 auch mit RL-Cash-AH kaufen. Punkt.